Studie: Bequemlichkeit bremst digitale Souveränität der Banken

Studie: Bequemlichkeit bremst digitale Souveränität der Banken
 

Deutschlands Finanzinstitute möchten unabhängiger von großen Technologieanbietern werden. 82 Prozent finden, Banken sollten dafür sogar höhere Kosten in Kauf nehmen. Auf Komfort oder Funktionen würden hingegen nur 52 Prozent verzichten. Dabei ist der Handlungsdruck groß: 73 Prozent räumen der digitalen Souveränität eine hohe oder sehr hohe Priorität ein, doch nur elf Prozent sehen ihr Institut bereits als weitgehend souverän aufgestellt. Dies geht aus einer aktuellen Studie der auf Finanzdienstleister spezialisierten Unternehmensberatung Cofinpro in Kooperation mit der VÖB-Service GmbH hervor. Für die Studie wurden 137 Experten deutscher Finanzdienstleister befragt.

„Einerseits möchten die Institute ihre Abhängigkeiten verringern. Andererseits scheuen sie die Konsequenzen im Arbeitsalltag“, sagt Michael Heck, Director bei Cofinpro. „Mehr Souveränität lässt sich aber nicht allein mit zusätzlichen Budgets erreichen. Die Institute müssen auch gewillt sein, gewohnte Anwendungen und Arbeitsweisen anzupassen.“

Wie herausfordernd ein potenzieller Wandel ist, zeigt die Studie: Derzeit sehen 68 Prozent der Befragten die größten Abhängigkeiten von einzelnen Technologieanbietern im Bereich der Arbeitsplatz- und Kollaborationsplattformen. Es folgen Cloud-Infrastrukturen mit 49 Prozent und KI-Anwendungen sowie -Modelle mit 41 Prozent. Ein Wechsel des Anbieters betrifft somit häufig nicht nur die IT, sondern auch eingespielte Arbeitsabläufe und den Umgang mit Daten.

„Eine neue Arbeitsplatzplattform ist weit mehr als nur eine Aufgabe für die IT-Abteilung“, sagt Heck. „Solche Anwendungen sind tief in die täglichen Prozesse eingebunden. Selbst wenn eine neue Software alle technischen Anforderungen erfüllt und verfügbar ist, muss sie auch von den Mitarbeitenden akzeptiert werden. Digitale Souveränität ist deshalb auch eine Frage der Veränderungsbereitschaft – von der Geschäftsleitung bis an jeden Arbeitsplatz.“

Hohe Priorität, wenig konkrete Umsetzung

Für 69 Prozent der Institute ist digitale Souveränität Teil der Unternehmensstrategie und wird aktiv von der Geschäftsführung vorangetrieben. Doch zwischen Anspruch und Umsetzung klafft eine Lücke: Konkrete Ziele und eine Roadmap gibt es nur bei gut der Hälfte (51 Prozent), uneingeschränkt bestätigen dies lediglich acht Prozent. Eine klar definierte zentrale Verantwortung haben nur 17 Prozent der Institute.

Dabei setzen Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI) sowie strengere regulatorische Anforderungen die Banken erheblich unter Druck. Am häufigsten werden generative KI und neue KI-Anwendungen als Einflussfaktoren genannt. Unter den regulatorischen Vorgaben steht die Verordnung über die digitale operationale Resilienz im Finanzsektor (DORA) an erster Stelle.

„DORA verlangt von Banken keine vollständige technologische Unabhängigkeit. Entscheidend ist, dass sie die Risiken ihrer Abhängigkeiten kennen und beherrschen“, sagt Dr. Stefan Hirschmann, Mitglied der Geschäftsleitung der VÖB-Service GmbH. „Dazu gehören klare Verantwortlichkeiten, belastbare Ausweichmöglichkeiten und getestete Exit-Strategien. Eine Roadmap allein reicht nicht aus. Die Geschäftsleitung muss sicherstellen, dass das Institut auch beim Ausfall eines wichtigen Dienstleisters handlungsfähig bleibt.“

Europäische Anbieter allein sind keine Lösung

Die Erwartungen an Europa fallen verhalten aus: 63 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass Europa seine Unabhängigkeit von internationalen Technologieanbietern deutlich stärken wird. Dass deutsche und europäische Anbieter künftig eine größere Rolle im Finanzsektor spielen werden, glauben jedoch nur 53 Prozent. Schon heute sehen 30 Prozent fehlende geeignete europäische Alternativen als Hindernis. Dabei rechnen 89 Prozent damit, dass digitale Souveränität zu einem wichtigen Kriterium bei der Auswahl neuer Technologien und Anbieter wird.

„Ein europäischer Anbieter ist nicht automatisch die souveräne Lösung“, betont Digitalisierungs-Experte Heck. „Wer lediglich einen großen Anbieter durch einen anderen ersetzt, gewinnt wenig. Die Banken müssen deshalb vor allem eigene Kompetenzen aufbauen und ihre Wechselmöglichkeiten verbessern. Open Source und Eigenentwicklungen können dabei wichtige Bausteine sein. Entscheidend ist, dass die Institute ihre Daten kontrollieren und bei Bedarf den Dienstleister wechseln können.“

Dies wird auch vonseiten der Banken anerkannt. Als die drei größten Handlungsfelder zur Stärkung der digitalen Souveränität werden der Ausbau der eigenen Daten- und KI-Kompetenzen (56 Prozent), die Verringerung der Abhängigkeit von einzelnen Technologieanbietern (55 Prozent) sowie die Modernisierung der IT-Landschaft und Systemarchitektur (54 Prozent) genannt.

Über die Studie

Die Studie „Digitale Souveränität – Wie KI und Regulierung den Druck auf die Banken erhöhen“ basiert auf einer Online-Befragung von 137 Experten deutscher Finanzdienstleister im September 2026.

Die Studienergebnisse stehen hier (https://cofinpro.de/assets/Uploads/2026_COFINPRO_Studie_Digitale_Souveraenitaet_2026.pdf) zum Download bereit.

Über Cofinpro (www.cofinpro.de)

Cofinpro unterstützt Deutschlands führende Banken und Fondsgesellschaften in der Management-, Fach- und Technologieberatung. Zu den Kunden zählen große Geschäftsbanken, die Sparkassen-Finanzgruppe und die Genossenschaftliche FinanzGruppe. Gegründet 2007 als mitarbeitergetragene Aktiengesellschaft, beschäftigt die Unternehmensberatung inzwischen rund 270 Bank- und Technologieexperten. Das Haus hat 2026 zum 16. Mal in Folge vom Great Place to Work®-Institut die Auszeichnung als einer der besten Arbeitgeber Deutschlands erhalten.

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