Zahl der Führerscheinprüfungen auf neuem Höchststand

Zahl der Führerscheinprüfungen auf neuem Höchststand
 

Datenreport des TÜV-Verbands: Zahl der Fahrprüfungen steigt im Jahr 2025 weiter. Zwei von drei Fahrschüler:innen bestehen Fahrprüfung direkt. Früh übt sich: Unter 18-Jährige am erfolgreichsten. Wiederholungsprüfungen: Mehrfaches Scheitern ist keine Seltenheit. Verbindliche Lernstandskontrollen vor Prüfungsantritt notwendig.

Die Zahl der Führerscheinprüfungen in Deutschland ist im Jahr 2025 erneut gestiegen. Über alle Klassen hinweg sind 2,04 Millionen Theorieprüfungen abgelegt worden – ein Plus von 1,6 Prozent oder rund 33.000 Prüfungen im Vergleich zum Vorjahr. Bei den praktischen Fahrerlaubnisprüfungen fiel der Anstieg noch deutlicher aus: Mit rund 1,89 Millionen Praxisprüfungen sind etwa 90.000 Prüfungen mehr durchgeführt worden als im Jahr 2024 (plus 4,9 Prozent). Das zeigt der aktuelle Datenreport des TÜV-Verbands auf Grundlage von Erhebungen der „TÜV | DEKRA arge tp 21“. Der Pkw-Führerschein bleibt die mit Abstand beliebteste Fahrerlaubnisklasse: 80 Prozent der theoretischen und 73 Prozent der praktischen Prüfungen entfielen auf die Klassen B und BF17 (Führerschein mit 17). „Der Führerschein boomt wie eh und je.“, sagte Richard Goebelt, Fachbereichsleiter Fahrzeug & Mobilität beim TÜV-Verband, bei Vorstellung der Führerscheinstatistik. „Ohne Fahrerlaubnis ist individuelle Mobilität für viele Menschen kaum möglich. Gerade für junge Menschen ist er der Schlüssel zu mehr Unabhängigkeit und Teilhabe.“ Laut TÜV-Datenreport waren gut zwei von drei Prüfungsteilnehmer:innen (68 Prozent) jünger als 25 Jahre. Bei 28 Prozent der abgelegten Prüfungen waren die Fahrschüler:innen sogar unter 18 Jahre alt.

Licht und Schatten bei der Fahrausbildungsreform

Die geplante Novelle der Fahrschulausbildung bietet die Chance, die Ausbildung moderner und effizienter zu machen. Die Pläne des Verkehrsministeriums zeigen aber Licht und Schatten. Positiv ist, dass digitale Lernmittel und klare Ausbildungsprozesse gestärkt werden sollen. Kritisch sind Vorschläge, die auf eine pauschale Absenkung von Anforderungen bei der Fahranfängervorbereitung hinauslaufen und damit die Verkehrssicherheit gefährden. Zudem fehlt aus Sicht des TÜV-Verbands ein wesentliches Element. „Digitale Lernstandskontrollen sollten bundesweit einheitlich und verpflichtend zur Voraussetzung für die Prüfungszulassung werden, um die Prüfungsreife festzustellen“, sagte Goebelt. „Die Vortests reduzieren die hohe Zahl der Wiederholungsprüfungen, die für den Einzelnen zu unnötigen Zusatzkosten führen.“

Nichtbestehensquoten insgesamt konstant hoch

Über alle Klassen hinweg blieb die durchschnittliche Nichtbestehensquote (also in Erst- und Wiederholungsprüfungen zusammen) im Jahr 2025 auf einem hohen, aber weitgehend konstanten Niveau. Der Anteil nicht bestandener theoretischer Prüfungen lag bei 41 Prozent und ist damit unverändert zum Vorjahr. In der praktischen Prüfung lag die Nichtbestehensquote bei 31 Prozent, ein leichter Anstieg um einen Prozentpunkt im Vergleich zu 2024. Auf dem Weg zum Pkw-Führerschein (Klassen B/BF17) scheiterten 44 Prozent der Fahrschüler:innen bei der Theorieprüfung (2024: 45 Prozent) und 37 Prozent bei der praktischen Prüfung (2024: 37 Prozent). Deutlich besser als im Schnitt schneiden junge Prüflinge ab: Bei den unter 18-Jährigen lag die Durchfallquote in der Theorie bei nur 35 Prozent – 9 Prozent unter dem Durchschnitt der Klasse B. In der praktischen Prüfung fiel in dieser Altersgruppe sogar nur etwa jede:r Vierte durch (24 Prozent), was 13 Prozentpunkte unter dem Durchschnitt liegt. „Junge Menschen, die am Begleiteten Fahren ab 17 teilnehmen, schneiden in den Prüfungen deutlich besser ab“, sagt Goebelt. „Diese Fahrschüler:innen sind hoch motiviert und durch Schule und Ausbildung sind sie es gewohnt, sich systematisch auf Prüfungen vorzubereiten. Das führt auch beim Führerschein zu schnelleren Lern- und Prüfungserfolgen.“

Fast zwei Drittel bestehen die Theorie und Praxis im ersten Versuch

Ein genauer Blick auf die Zahlen zeigt: Die Mehrheit der Fahrschüler:innen besteht die Prüfung in den Klassen B/BF17 im ersten Anlauf. Im Jahr 2025 lagen die Bestehensquoten im Erstversuch bei 63 Prozent in der Theorie und bei 65 Prozent in der praktischen Prüfung. Gleichzeitig prägen Wiederholungsprüfungen das Prüfgeschehen mittlerweile stark. Im Jahr 2025 war fast jede dritte praktische Prüfung (31 Prozent) in Klasse B/BF17 ein Wiederholversuch, in der Theorie sogar 38 Prozent. Die Erfolgsquoten in den Wiederholversuchen waren deutlich schlechter und sind ein wesentlicher Treiber der hohen Nichtbestehensquoten im Durchschnitt. Bei Wiederholungsprüfungen liegt die Bestehensquote bei 44 Prozent in der Theorie und bei 58 Prozent in der Praxis. „Die Mehrheit ist motiviert, lernstark und besteht bereits bei der ersten Prüfung“, sagt Goebelt. „Zur Wahrheit gehört aber auch: Die Gruppe der Wiederholenden tut sich schwer und scheitert häufig sogar mehrfach.“ Jede nicht bestandene Prüfung bedeute eine zusätzliche mentale, finanzielle und zeitliche Belastung für die Betroffenen. Goebelt: „Wer den Führerscheinerwerb effizienter und kostengünstiger gestalten will, muss alles daransetzen, den ersten Prüfungsversuch zum Erfolg zu machen.“

Fahrausbildung modernisieren – Qualität der Prüfung sichern

Angesichts der Rekordzahlen bei den Fahrprüfungen zeigt sich: „Das deutsche Fahrerlaubnissystem ist leistungsfähig und erfüllt seinen hoheitlichen Auftrag zur Sicherung der Verkehrssicherheit“, sagt Goebelt. Aktuelle Unfallstatistiken zeigen, dass qualifizierte Ausbildung und Prüfung wirken: Die Zahl der im Straßenverkehr getöteten 18- bis 25-Jährigen ist seit dem Jahr 2005 um 70 Prozent gesunken (von 1.072 auf 319 in 2024). Gleichzeitig ist auch die Zahl der Unfälle mit Personenschaden, bei denen 18- bis 20-jährigen Pkw-Fahrer:innen die Hauptverursachenden waren, seit 2010 erheblich zurückgegangen – von 25.015 auf 13.862 im Jahr 2024, was einem Rückgang von 45 Prozent entspricht.

Zugleich zeigen die konstant hohen Durchfallquoten aus Sicht des TÜV-Verbands, dass die Fahrausbildung strukturell weiterentwickelt werden muss. Das vorliegende Eckpunktepapier des Bundesverkehrsministeriums zur Reform der Fahrausbildung greift zwar wichtige Punkte auf, muss aber an entscheidenden Punkten nachgebessert werden. „Wer den Führerscheinerwerb moderner, wirksamer und kostengünstiger gestalten will, muss die Ausbildung gezielt stärken“, sagt Goebelt. Aus Sicht des TÜV-Verbands sind bundesweit einheitliche Mindestinhalte in der Fahrausbildung, darauf abgestimmte Prüfungen und eine enge Verzahnung von Ausbildung und Prüfung entscheidend. Verbindliche, einheitliche digitale Lernstandskontrollen sollten als Voraussetzung für die Prüfungszulassung eingeführt werden, um Prüfungsreife transparent nachzuweisen. So lassen sich Wiederholungsprüfungen reduzieren, Kosten sparen und die Verkehrssicherheit dauerhaft sichern. Umso unverständlicher ist es, dass Lernstandskontrollen im Entwurf zur Reform der Fahrschulausbildung des Bundesverkehrsministeriums bislang keine Rolle spielen.

Kritisch bewertet der TÜV-Verband Vorschläge, die auf eine pauschale Absenkung von Anforderungen zielen – etwa bei der Fahrzeit, Prüfungsdauer und im Fragenkatalog. „Wenn theoretische Inhalte ohne klare Kriterien pauschal gekürzt werden, besteht die Gefahr, dass wichtiges Wissen für sicheres Fahren verloren geht“, sagt Goebelt. „Ziel muss sein, die Verkehrssicherheit dauerhaft zu sichern und jungen Menschen einen verlässlichen, fairen Zugang zur Mobilität zu ermöglichen, ohne zusätzliche finanzielle Belastung. Eine Fahrprüfung light , bei der Effizienz vor Gründlichkeit steht, darf es daher nicht geben.“ Entscheidend für eine erfolgreiche Reform der Fahrschulausbildung sei vielmehr, Kosten zu senken und gleichzeitig die Verkehrssicherheit zu stärken, ohne Standards in Ausbildung und Prüfung zu verwässern.

Eine Präsentation mit der Führerscheinstatistik 2025 und einer Auswertung zum Prüfungsgeschehen in den Bundesländern finden Sie hier: https://ots.de/g221Ca

Testen Sie Ihr eigenes Wissen im Führerscheinquiz: https://ots.de/C7ElVR

Methodik-Hinweis: Den Datenreport zu den Fahrerlaubnisprüfungen 2025 erhebt die TÜV | DEKRA arge tp 21 GmbH zum Stichtag 30.01.2026. Die vom Kraftfahrtbundesamt (KBA) veröffentlichten Daten zum Fahrerlaubniswesen können im aktuellen Jahr wegen Nachmeldungen leicht abweichen.

Über den TÜV-Verband: Als TÜV-Verband e.V. vertreten wir die politischen Interessen der TÜV-Prüforganisationen und fördern den fachlichen Austausch unserer Mitglieder. Wir setzen uns für die technische und digitale Sicherheit sowie die Nachhaltigkeit von Fahrzeugen, Produkten, Anlagen und Dienstleistungen ein. Grundlage dafür sind allgemeingültige Standards, unabhängige Prüfungen und qualifizierte Weiterbildung. Unser Ziel ist es, das hohe Niveau der technischen Sicherheit zu wahren, Vertrauen in die digitale Welt zu schaffen und unsere Lebensgrundlagen zu erhalten. Dafür sind wir im regelmäßigen Austausch mit Politik, Behörden, Medien, Unternehmen und Verbraucher:innen.

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