Care-Arbeit und Teilzeit: langfristige Folgen für Frauen

Care-Arbeit und Teilzeit: langfristige Folgen für Frauen
ARAG Experten erläutern die Auswirkungen von Teilzeit und mögliche Ausgleichstrategien (Die Bildrechte liegen bei dem Verfasser der Mitteilung.)
 

Unbezahlte Care-Arbeit ist ein zentraler Pfeiler des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Noch immer übernehmen vor allem Frauen einen großen Teil dieser Aufgaben: Sie betreuen Kinder, pflegen Angehörige und organisieren den Haushalt. Die Auswirkungen zeigen sich häufig erst Jahre später. Zum internationalen Frauentag am 8. März erklären die ARAG Experten, welche Folgen Teilzeitarbeit insbesondere für Frauen haben kann und wie sich finanzielle Nachteile vorausschauend abmildern lassen.

Pflege von Angehörigen offiziell anerkennen lassen

Wer Angehörige pflegt, reduziert nicht selten die Arbeitszeit oder verlässt den Beruf vorübergehend ganz. Zwar gibt es gesetzliche Regelungen wie Pflegezeit oder Familienpflegezeit, diese sind jedoch meist unbezahlt oder nur eingeschränkt finanziell abgesichert. Denn Rentenansprüche entstehen laut den ARAG Experten nur, wenn die Pflege offiziell anerkannt ist. Dafür müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, unter anderem Pflegegrad 2, mindestens zehn Stunden Pflege pro Woche an zwei Tagen und maximal 30 Wochenstunden Erwerbstätigkeit. Die Meldung erfolgt über die jeweilige Pflegekasse. Für den Antrag werden unter anderem medizinische Berichte des Pflegebedürftigen benötigt sowie Angaben zum Umfang der Pflege. Hierbei kann laut ARAG Experten ein Pflegetagebuch helfen, in dem Pflegemaßnahmen und -aufwand dokumentiert werden.

Wer wie viel in Teilzeit arbeitet

Laut Statista gingen im Jahr 2024 rund 13 Millionen aller Erwerbstätigen in Deutschland einer Teilzeittätigkeit nach – das entspricht rund 31 Prozent. Knapp ein Drittel der weiblichen Erwerbstätigen arbeitet aus familiären Gründen in Teilzeit, also um Kinder oder andere Angehörige zu betreuen. Bei den Männern liegt dieser Anteil bei sieben Prozent. Viele Beschäftigte arbeiten aus familiären oder organisatorischen Gründen in Teilzeit. Nur ein vergleichsweise kleiner Anteil gibt an, unfreiwillig in Teilzeit zu sein, weil keine Vollzeitstelle gefunden wurde.

Vor allem jüngere vollzeitbeschäftigte Arbeitnehmer haben den Wunsch nach Teilzeit: Während bei den unter 40-Jährigen 57 Prozent nichts dagegen hätten, die Arbeitsstunden zu reduzieren, waren es bei den über 40-Jährigen 49 Prozent der Vollbeschäftigten, die den Wunsch nach Teilzeit äußerten.

Weniger Einkommen, größere Rentenlücke

Teilzeit wirkt sich unmittelbar auf das Einkommen aus. Hinzu kommt, dass Frauen im Durchschnitt 16 Prozent weniger verdienen als Männer. Ursachen sind unter anderem familienbedingte Erwerbsunterbrechungen, häufige Teilzeitbeschäftigung und die Konzentration auf schlechter bezahlte Branchen. Die Folge: Wer weniger verdient, zahlt automatisch weniger in die gesetzliche Rentenversicherung ein. So entsteht für Frauen im Laufe des Berufslebens eine erhebliche Rentenlücke.

Teilzeit mit langfristigen Folgen

Teilzeitarbeit erleichtert zwar die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, kann aber Karrierechancen mindern. Denn neben dem geringeren Einkommen sinken oft auch die Chancen auf beruflichen Aufstieg. Zudem fallen betriebliche Zusatzleistungen wie Boni oder betriebliche Altersvorsorge niedriger aus oder entfallen ganz.

Steuerklasse und Ehegattensplitting

Die Wahl der Steuerklasse hat erhebliche Auswirkungen auf das verfügbare Einkommen und spätere Leistungen. Frauen arbeiten in Partnerschaften häufig in Steuerklasse V, was zu einem geringeren Nettoeinkommen führt. Da Lohnersatzleistungen wie Elterngeld, Krankengeld oder Arbeitslosengeld auf dem Nettoeinkommen basieren, kann dies finanzielle Nachteile nach sich ziehen.

Das Ehegattensplitting begünstigt Paare, bei denen ein Partner deutlich mehr verdient als der andere. Durch die gemeinsame Veranlagung sinkt die Steuerlast besonders dann spürbar, wenn der geringer verdienende Partner wenig oder gar nicht arbeitet. Dadurch entsteht ein finanzieller Anreiz, die eigene Erwerbstätigkeit zu reduzieren oder gar nicht erst zu erhöhen – was oft zu Lasten der Frau geht. Langfristig wirkt sich das auf Einkommen, Karrierechancen und die Altersvorsorge aus.

Gezielt vorsorgen und vorausschauend planen

Die ARAG Experten raten Frauen, ihre Teilzeitbeschäftigung bewusst zu planen, beispielsweise durch zeitliche Befristungen oder Modelle, die eine spätere Rückkehr in vollzeitnahe Beschäftigung ermöglichen. Zusätzlich kann eine private Altersvorsorge für Frauen sinnvoll sein, da die gesetzliche Rente häufig nicht ausreicht. Zudem sollten Frauen ihre finanzielle Situation regelmäßig überprüfen und aktiv gestalten. Dazu gehört unter anderem, die Steuerklasse bewusst zu wählen und insbesondere in Ehe oder Partnerschaft Alternativen zum Steuermodell III/V zu prüfen. Wichtig darüber hinaus: Rentenpunkte für Kindererziehung und Pflege rechtzeitig beantragen.

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