NRZ: Manche Wunden heilen nicht – ein Kommentar von JAN JESSEN

Zwanzig Jahre sind eine lange Zeit. In zwanzig
Jahren können viele Wunden heilen. Manche heilen nicht. Die Bilder
von den Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen lösen auch heute noch
Entsetzen aus. Ja, es ist wirklich geschehen, dass in Deutschland
normale Bürger applaudierten, als ein entfesselter Mob seinem
Fremdenhass und seiner Menschenverachtung freien Lauf ließ; als
beinahe Menschen ermordet wurden. Und es ist wirklich geschehen, dass
der Staat sich feige wegduck

NRZ: Dieüblichen Rollenspiele – ein Kommentar von MIGUEL SANCHES

Die Armutslöhne von heute sind die Zukunftssorgen
der Rentenkasse. Man darf sich nicht damit abfinden, dass viele
Menschen so wenig verdienen, dass sie ihr Leben lang Beiträge zahlen
und es im Alter doch kaum besser als Hilfsempfänger haben werden. Das
betrifft besonders Frauen, Mütter zumal. Es ist ein reales, kein
eingebildetes Problem. Dafür bietet Sozialministerin von der Leyen
mit der Zuschussrente eine Minimallösung an. Immerhin: Sie redet das
Armutsrisi

NRZ: Ritt auf der Rasierklinge – ein Kommentar von DIRK HAUTKAPP

Die Republikaner wollen sich in Tampa warmlaufen für
den Endspurt ins Weiße Haus. Der Multi-Millionär Mitt Romney hat sich
als Wahlsiegsbeauftragter herausgemendelt. Keine
Herzensangelegenheit, dieser Pakt. Der unbändige Hunger nach Wechsel
in Washington treibt–s rein. Verschlucken nicht ausgeschlossen.
Anders als noch 2004, als die Republikaner mit dem plüschigen Slogan
"Compassion" (Mitgefühl) den Weichzeichner herausholten, um
Wechselwähler

Merkel sieht Rückstände bei Energiewende

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat Rückstände bei der Energiewende eingeräumt. "Wir haben Rückstände, das ist richtig", sagte Merkel im "Bericht aus Berlin" (ARD). Nun würden jedoch die Planungen beschleunigt und der Ausbau der großen Strom-Übertragungsleitungen angegangen werden, erklärte die Kanzlerin. Gleichzeitig schloss Merkel Kürzungen bei der Vergütung für Windenergie nicht aus. "Es kann auch sein,

Rheinische Post: Apples Sieg Kommentar Von Reinhard Kowalewsky

Es ist gut, dass Samsung nun an Apple eine
Milliarde Dollar Schadenersatz dafür zahlen muss, das Konzept und die
Einzelheiten des iPhone einfach kopiert zu haben. Dafür hätte das
Gericht in Kalifornien noch mehr Schadenersatz verordnen können –
immerhin geht es bei Smartphones um Geschäfte von hunderten
Milliarden Euro. Und es kann nicht sein, dass aufwändige Erfindungen
ohne Gegenleistung übernommen werden. Dennoch scheint das in einem
Ort nahe der Apple

Rheinische Post: Gaucks Lektion Kommentar Von Matthias Beermann

Vor 20 Jahren belagerte ein entfesselter Mob in
Rostock-Lichtenhagen ein Asylbewerberheim, wollte nicht nur das Haus
brennen sehen, sondern auch die Menschen darin. Tagelang konnten die
Angreifer ihrem Hass freien Lauf lassen, kaum behindert von einer
passiven Polizei und angefeuert von zahlreichen Gaffern. Joachim
Gauck ist zum Jahrestag an diesen Ort der Schande zurückgekehrt, um
ein Zeichen zu setzen. Der Bundespräsident hat eine sehr gute Rede
gehalten. Er hat sich ohne Wenn

Rheinische Post: Athen ist nicht Leipzig Kommentar Von Michael Bröcker

Wenn es nach den Wirtschaftsliberalen bei Union
und FDP geht, könnte die Euro-Krise bei der Kanzlerin und CDU-Chefin
Angela Merkel eine ordnungspolitische Renaissance auslösen. Eine
harte finanzpolitische Haltung im Fall Griechenland soll Schwarz-Gelb
wieder als bürgerliche Alternative im Parteiensystem erkennbar machen
und den alten, seit Peer Steinbrück teilweise widerlegten Spruch, die
"Sozis können nicht mit Geld umgehen", wieder an die Wahlkampfstän

Homo-Ehe: Merkel will Karlsruher Urteil abwarten

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will bei der steuerlichen Gleichstellung homosexueller Paare das Urteil vom Bundesverfassungsgericht abwarten. "Ich glaube, dass wir an dieser Stelle gut daran tun, doch nochmal die Rechtsprechung abzuwarten", sagte Merkel im "Bericht aus Berlin" (ARD). Der Artikel 6 des Grundgesetzes schütze die Ehe und Familie, betonte die CDU-Vorsitzende. Politisch wünsche sie sich, dass "Ehe und Familie doch noch etwas besser gestellt wer

Mitteldeutsche Zeitung: zu Euro/Dobrindt

Wenn CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt über
die Zukunft des Euro spricht, geht die politische Klasse in
Deckung. Den Präsidenten der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi,
nannte er jetzt einen "Falschmünzer". Die Äußerung ist unverfroren
und gefährlich. Denn der Urheber vergisst, dass Europa auf Respekt
gebaut wurde. Dobrindts Tonfall zeigt, dass er sich nicht an die
europäische Öffentlichkeit wendet, sondern an die

Mitteldeutsche Zeitung: zu Fußball-Bundesliga

Der Fußball, auch die Bundesliga, hat ein objektives
Gewaltproblem im Umfeld. Es ist ein Problem, das von einem
verschwindend geringen Prozentsatz der Zuschauer ausgeht. Trotzdem
lässt sich vermehrt eine Form von Schulterschluss feststellen:
gewaltlose Fan-Kreise, die sich eher mit Gewaltbereiten zu
identifizieren bereit sind als mit ihrem Ursprung als
Fußball-Anhänger. Wer das als Konsequenz der gnadenlosen Vermarktung
des Fußballs sieht, liegt mit Sicherheit n