Umfrage: 77% der deutschen Gebrauchtwagenkäufer wüssten nicht, wo sie ein Fahrzeug mit manipuliertem Kilometerstand melden sollen

Umfrage: 77% der deutschen Gebrauchtwagenkäufer wüssten nicht, wo sie ein Fahrzeug mit manipuliertem Kilometerstand melden sollen
 

Laut dem Transparenz-Index des IT-Datenunternehmens carVertical gehört der deutsche Gebrauchtwagenmarkt zu den transparentesten in Europa. Das bedeutet jedoch nicht, dass Autofahrer vor Kilometerstandmanipulation geschützt sind. Eine neue carVertical-Umfrage unter europäischen Autokäufern zeigt, dass die meisten Menschen nicht wissen, wie sie reagieren sollen, wenn sie auf ein Fahrzeug mit manipuliertem Kilometerstand stoßen: Sie wissen nicht, wo sie den Fall melden können, rechnen nicht damit, ihr Geld zurückzubekommen, und viele sind sich unsicher, wie die Behörden vor Ort mit Kilometerstandmanipulation umgehen und welche gesetzlichen Regelungen gelten.

Das Gesetz ist strenger, als viele Käufer vermuten. Die vorsätzliche Manipulation eines Kilometerzählers ist in Deutschland illegal. Das Problem liegt jedoch bei der Durchsetzung, der Nachweisbarkeit einer Manipulation sowie beim mangelnden Bewusstsein. Genau diese Lücke bietet weiterhin Raum für Betrug.

Jeder vierte deutsche Käufer hat ein Auto mit manipuliertem Kilometerstand gekauft oder kennt jemand, dem das passiert ist

Die carVertical-Umfrage unter mehr als 7.800 Autofahrern in Europa, darunter über 1.000 Befragte aus Deutschland, ergab, dass jeder vierte deutsche Käufer (25%) selbst schon einmal ein Auto gekauft hat, bei dem sich später herausstellte, dass der Kilometerstand manipuliert worden war, oder jemand kennt, dem dies passiert ist. Weitere 23,1 Prozent sind sich nicht sicher, während 51,9 Prozent angeben, dass dies weder ihnen selbst noch jemandem, den sie kennen, passiert ist.

Während die Umfrage die Erfahrungen der Käufer mit Betrugsfällen über ihre bisherige Zeit als Autokäufer hinweg erfasst – häufig über mehrere Fahrzeugkäufe hinweg und unter Einbeziehung von Fällen aus ihrem persönlichen Umfeld -, fallen die Werte des carVertical Transparency Index 2025 deutlich niedriger aus, da dort einzelne auf der Plattform überprüfte Fahrzeuge betrachtet werden.

Nach der Analyse aller Fahrzeughistorienberichte, die carVertical-Nutzer in Deutschland zwischen September 2024 und August 2025 gekauft haben, zeigte sich, dass bei 1,99 % der überprüften Fahrzeuge Anzeichen für eine Kilometerstandmanipulation vorlagen – eine der niedrigsten Manipulationsraten in Europa. Damit belegt Deutschland im Transparenz-Index von carVertical den dritten Platz. Wenn Kilometerstände manipuliert werden, fällt die Abweichung allerdings erheblich aus: Im Durchschnitt wurden rund 72.900 Kilometer vom Kilometerzähler entfernt.

84% der deutschen Gebrauchtwagenkäufer sind nicht zuversichtlich, ihr Geld nach einer Kilometerstandmanipulation zurückzubekommen

In derselben Umfrage geben mehr als drei Viertel der deutschen Käufer (76,8%) an, nicht zu wissen, wo sie ein Fahrzeug mit manipuliertem Kilometerstand melden sollen. Ebenso gering ist das Vertrauen darin, sein Geld zurückzuerhalten: 84,8% sind nicht zuversichtlich, ihren Verlust wieder ausgleichen zu können (47,1% sind wenig zuversichtlich, 37,2% überhaupt nicht zuversichtlich). Lediglich 15,7% sind überzeugt, ihr Geld zurückzubekommen.

„Ein gesetzliches Recht schützt nur dann, wenn man weiß, dass es existiert. Aktuell wissen die meisten Käufer schlicht nicht, an wen sie sich wenden sollen, wenn sie feststellen, dass sie auf ein Fahrzeug mit manipuliertem Kilometerstand gestoßen sind“, erklärt Matas Buzelis, Automobilexperte bei carVertical. „Da Fahrzeughistorien weiterhin über nationale Grenzen hinweg fragmentiert sind, können Fahrzeuge mit manipuliertem Kilometerstand aufgrund dieser Datenlücken durchs Raster fallen. Das Roadworthiness Package der Europäischen Union, das sich derzeit im EU-Gesetzgebungsverfahren befindet, soll den grenzüberschreitenden Austausch von Fahrzeugdaten verbessern. Bis es verabschiedet ist, bleibt unsere Rolle bei carVertical wichtig: Wir wollen solche Probleme erkennen, bevor ein Fahrzeug verkauft wird, damit Käufer gar nicht erst mit den daraus resultierenden finanziellen Verlusten konfrontiert werden.“

Das Gesetz ist eindeutig, doch viele Käufer kennen die Regelungen nicht

Was die gesetzlichen Regelungen zur Kilometerstandmanipulation in Deutschland betrifft, ist die Manipulation eines Kilometerzählers gemäß § 22b Straßenverkehrsgesetz (StVG) eine Straftat. Tätern droht eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr oder eine Geldstrafe. Welche Strafe im konkreten Fall verhängt wird, entscheidet das Gericht.

Vielen Käufern ist dies jedoch nicht bewusst: 40,3 % geben an, nicht zu wissen, wie hoch die maximale Strafe ist. Weitere 4,2 % glauben, dass die Manipulation eines Kilometerzählers überhaupt nicht illegal ist. Da das deutsche Recht sowohl eine Freiheits- als auch eine Geldstrafe vorsieht, haben die 31,1 %, die „eine Freiheitsstrafe“ angaben, und die 24,3 %, die „eine geringe Geldstrafe“ nannten, jeweils eine grundsätzlich mögliche Strafart genannt. Tatsächlich uninformiert über die Strafbarkeit beziehungsweise mögliche Sanktionen sind damit 45 % der Befragten.

„Ein strenges Gesetz kann Betrug nur dann abschrecken, wenn sowohl Käufer als auch Verkäufer wissen, dass es tatsächlich durchgesetzt wird. Solange das öffentliche Bewusstsein noch nicht mit der Gesetzgebung Schritt hält, bleibt die Überprüfung der Fahrzeughistorie vor dem Kauf der zuverlässigste Schutz für Autofahrer“, erklärt Matas Buzelis, Automobilexperte bei carVertical.

„In den derzeitigen, primär nationalen ausgerichteten Systemen wird die Historie eines Fahrzeugs nach dem Export im Grunde unsichtbar. Solange es kein einheitliches europäisches Netzwerk für den Datenaustausch gibt, dass diese grenzüberschreitenden Datenlücken schließt, können sich Verbraucher nicht allein auf das Gesetz verlassen, um sich vor Risiken zu schützen, die sie nicht erkennen können. Letztlich hat jeder Käufer das Recht, die vollständige Historie eines Gebrauchtwagens zu kennen, bevor er ihn kauft – und nicht nur seinen Preis.“

Methodik

Für die carVertical-Studie wurden Fahrzeughistorienberichte analysiert, die Kunden zwischen September 2024 und August 2025 erworben haben. Darüber hinaus wurden im Juli 2026 öffentlich zugängliche Quellen zu gesetzlichen Regelungen zur Verhinderung von Kilometerstandmanipulation sowie zu den durchschnittlichen jährlichen Fahrzeugtransaktionen in verschiedenen Märkten ausgewertet.

Zusätzlich basiert die carVertical-Studie auf einer Umfrage, die während des Ladens der carVertical-Berichte angezeigt und zwischen Juli und August 2026 durchgeführt wurde. An der Umfrage nahmen rund 7.800 Personen aus 18 Ländern teil, darunter 1.000 aus Deutschland.

Über carVertical

carVertical ist ein IT-Datenunternehmen, das riesige Mengen an Fahrzeugdaten aus über 1000 weltweiten Quellen sammelt und standardisiert, darunter nationale und bundesstaatliche Register von Strafverfolgungsbehörden, Finanzinstitute und Kleinanzeigenportale in 37 Ländern. Anschließend bündeln wir diese komplexen Daten in innovativen und benutzerfreundlichen B2B- und B2C-Produkten und verwandeln so Rohdaten in wertvolle Marktinformationen, Prognosen und umfassende Fahrzeugberichte.

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