
„Ein eigener Fehler kann am Selbstwert kratzen“, sagt die Trainerin, Speakerin, Coach und Autorin Stefanie J. Camin. „Deshalb betrachten wir ihn häufig weniger nüchtern, als es für die Lösung hilfreich wäre.“ In ihrem Buch „Die innere Führungskraft stärken: 147 Tipps für Entfaltung, Erfüllung und Erfolg“ beschäftigt sich Camin auch mit einem konstruktiven Umgang mit Fehlern. Denn Fehler passieren ohnehin – entscheidend ist, was anschließend geschieht.
Aus den Fehlern anderer lernt es sich leichter
Dass wir mit eigenen Fehlern Schwierigkeiten haben, zeigt auch die Forschung: In einer Studie lernten Versuchspersonen aus eigenen Misserfolgen weniger als aus den Fehlern anderer. Eine Erklärung der Forschenden: Das eigene Scheitern kann das Ego bedrohen – und damit ausgerechnet die Aufmerksamkeit beeinträchtigen, die nötig wäre, um daraus zu lernen.
Im Berufsleben lässt sich das leicht beobachten.
Wer einen Fehler macht und unmittelbar mit Vorwürfen konfrontiert wird, beschäftigt sich möglicherweise zunächst damit, sich zu verteidigen. Die sachliche Frage „Was können wir beim nächsten Mal anders machen?“ rückt in den Hintergrund.
Das gilt auch für den inneren Dialog. Ein „Wie konnte mir das nur passieren?“ oder „Das war ja klar, dass ich das versaue“ hilft weder bei der Lösung noch beim nächsten Versuch. Camin empfiehlt deshalb, destruktive Selbstgespräche bewusst zu unterbrechen.
Drei L für den Umgang mit Fehlern
Ihr einfacher Merksatz lautet: lächeln, lösen, lernen.
Lächeln: Nicht jeder Fehler verdient ein persönliches Drama. Ein wenig Abstand hilft, die Situation wieder in Relation zu setzen.
Lösen: Was lässt sich jetzt konkret tun? Wer muss informiert werden? Was kann korrigiert oder zumindest begrenzt werden?
Lernen: Erst danach lohnt sich der Blick zurück: Warum ist der Fehler passiert? Und was lässt sich verändern, damit er sich möglichst nicht wiederholt?
Fehlerkultur beginnt bei der Reaktion
Gerade Führungskräfte prägen mit ihrer Reaktion, wie im Team mit Fehlern umgegangen wird. Wer Schuldige sucht oder Mitarbeiter vor anderen bloßstellt, muss sich nicht wundern, wenn Fehler künftig lieber verschwiegen werden. Wer dagegen sachlich nach Ursachen und Lösungen fragt, erleichtert einen offenen Umgang damit.
Das bedeutet nicht, Fehler schönzureden oder Verantwortung abzuschaffen. Es bedeutet, die Energie dorthin zu lenken, wo sie etwas bewirken kann.
„Menschen, die etwas machen, werden auch Fehler machen“, sagt Camin. „Entscheidend ist, ob wir anschließend hauptsächlich einen Schuldigen finden – oder eine Erkenntnis.“
Lächeln, lösen, lernen. Drei L sind jedenfalls produktiver als ein viertes: lamentieren.