Warum der aktuelle Management-Zeitgeist die Entscheidungsfähigkeit von KMU untergräbt

Warum der aktuelle Management-Zeitgeist die Entscheidungsfähigkeit von KMU untergräbt
Rolf Dindorf, Beratung für Mitarbeiterbindung und Führung
 

Während das Industriezeitalter von Hierarchie, Effizienz und klarer Verantwortung geprägt war, reagiert der heutige Management-Zeitgeist auf eine komplexere Welt mit Aufweichung: von Rollen, Zuständigkeiten und Entscheidungsklarheit. In einer Zeit, die von Begriffen wie VUKA und „New Work“ geprägt ist, setzen viele KMU auf die Aufweichung von Strukturen. „Vieles daran ist gut gemeint und teilweise notwendig“, erklärt Rolf Dindorf. „Aber in der Summe entsteht ein Muster, das Organisationen nicht beweglicher, sondern entscheidungsärmer macht.“
Die fünf Fallen des modernen Managements
Dindorf identifiziert fünf zentrale Felder, in denen der aktuelle Zeitgeist die Wirksamkeit von Führungskräften gefährdet:
1. Agilitäts-Euphorie:
Ständige Bewegung ersetzt oft eine fundierte Planung. Wo keine tragfähige Statik existiert, entsteht Aktionismus ohne Richtung.
2. Psychologisierung der Führung:
Wenn die Führungskraft nur noch als „Coach“ agiert, werden Mandat und Konsequenz weichgezeichnet. Es entsteht eine Harmonie, die Entscheidungen lähmt.
3. Sinn-Maximierung:
Ein schöner „Purpose“ ist kein Ersatz für strukturelle Defizite. Sinn motiviert, aber er ersetzt keine Entscheidungsfähigkeit.
4. Konsenskultur:
Wenn alle beteiligt sind, fühlt sich am Ende niemand mehr zuständig. Verantwortung diffundiert in flachen Hierarchien.
5. VUKA-Resignation:
Die Komplexität der Welt wird oft als Begründung für Nicht-Entscheidungen missbraucht.
Was KMU daraus lernen können
Der aktuelle Management-Zeitgeist ist keine Fehlentwicklung.
Problematisch wird er dort, wo Struktur zugunsten von Beweglichkeit vernachlässigt wird.
Organisationen scheitern selten an fehlenden Ideen oder Motivation. „Sie scheitern daran, dass Mandat, Verantwortung und Konsequenz nicht klar verbunden sind“, kritisiert der Unternehmensberater aus der Pfalz.
Das Statik-Prinzip als Prüfstein
Für Dindorf ist Struktur nicht das Gegenteil von Bewegung, sondern ihre Voraussetzung. Mit seinem „Statik-Prinzip“ bietet er einen Prüfrahmen für die Tragfähigkeit von Entscheidungen an. Im Zentrum steht dabei das Statik-Modell, das Verantwortung, Mandat und Konsequenzen wieder zusammenführt.

„Entscheidungsfähigkeit entsteht dort, wo klar ist, wer entscheiden darf und wer die Folgen über Zeit trägt“, so Dindorf. Sein Ansatz richtet sich besonders an inhabergeführte Unternehmen, die handlungsfähig bleiben wollen, ohne dass alles an einer einzigen Person hängt.