Die Streitfrage oben bleiben oder tiefer legen
ist an die Peripherie gerückt. Im Mittelpunkt steht das
Bürgeraufbegehren gegen die etablierte Politik – paradoxerweise unter
Mitwirkung der ebenfalls längst etablierten Grünen. Dafür ist
Stuttgart 21 eine Metapher. Die Ereignisse in Stuttgart werden
manches verändern – vermutlich am wenigsten die Trassenführung der
Bahn. Der Erfolg der unzufriedenen Bürger dürfte in einer Reform
politischer Willens
Von Eberhard Einhoff Eine mutige Ehrung für einen Mutigen – klar
und eindeutig ist diesmal die Entscheidung des Nobel-Komitees. Liu
Xiaobo mit dem Friedensnobelpreis auszuzeichnen, einen in Haft
sitzenden chinesischen Dissidenten, ist ein trefflicher Beschluss,
den die internationale Öffentlichkeit mit Beifall und Respekt
begrüßt.Wie passgenau dieser Treffer sitzt, beweist die rüde wie
somit auch entlarvende Reaktion der
So zukunftsverliebt war die Buchbranche noch nie. Denn auf ihrer
weltgrößten Messe in Frankfurt hat sie sich euphorisch einem Produkt
gewidmet, für das es bei uns noch wenig Interessenten und kaum Käufer
gibt: Deutlich weniger als ein Prozent tragen die neuen
elektronischen Bücher zum Gesamtumsatz bei. Wozu also dann die
Aufregung? Die schrille Beachtung für ein Produkt, das noch niemand
will, zeigt einen wachen Geis
Eine Schulabbrecher-Quote von 7,5 Prozent kann sich ein Land, das
seine Zukunft vor allem auf die gute Ausbildung seiner Bürger baut,
nicht leisten. Man kann einen Haufen von Erklärungen finden, warum
die Quote so hoch ist: perspektivlose Regionen im Osten, hohe
Migranten-Anteile in den Ballungsräumen. Diese Schwierigkeiten sind
aber keine Ausrede dafür, dass in Deutschland seit Jahrzehnten eine
schlechte Schulpolitik gemacht wird. Re
Es gibt nur zwei Kriterien, die einen Menschen
für den Friedensnobelpreis prädestidieren: Entweder eine erbrachte
Lebensleistung, oder eine noch zu erwartende. Im vergangenen Jahr
erhielt Barack Obama die Medaille als Vorschuss. Er hat die
Hoffnungen (bislang) nicht erfüllt. Was aber erhofft sich das Komitee
in Oslo nun vom chinesischen Dissidenten Liu Xiaobo? Der Nobelpreis
ist immer eine politische Entscheidung. In diesem Jahr ist sie
besonders brisant. Oslo düpiert d
Auf die Frage, warum die Menschen in Zeiten von
Fernsehen und Internet Bücher brauchen, sagte der Kritiker Marcel
Reich-Ranicki dieser Tage: "Diese Frage wird nicht erst gestellt,
seitdem es Fernsehen und Internet gibt, sondern seit Jahrhunderten."
Die Antwort sei immer die gleiche: "Der Mensch will wissen, in was
für einer Welt er lebt. Er will wissen, wer er ist und wie er mit
anderen Menschen zusammenleben kann." Und der Philosoph Georg Lukács
brach
Groß waren die Hoffnungen, die beide Seiten in Heiner Geißler
setzten. Doch der Schlichter des Konflikts um Stuttgart 21 hat die
verfahrene Situation noch verschlimmert: Er hat seinen Auftrag
verpatzt. Und der hätte gelautet, erst einmal eine Gesprächsgrundlage
zwischen Gegnern und Befürworten zu schaffen. Jetzt mögen zwar die
Grünen gerade noch mit am Tisch sitzen – und somit die
parlamentarische Opposition gegen das Großproje
Koalitionspartner gehen die Dinge gemeinsam an.
Sollte so sein. FDP und Union treiben sich, allen Versöhnungsgesten
zum Trotz, lieber weiter voreinander her. Diesmal bei der inneren
Sicherheit. Diesmal in der Frage, in welchem Umfang die Speicherung
von Kommunikationsdaten im Internet zur Aufklärung und Verhinderung
schwerster Straftaten erlaubt sein soll. Das Justizministerium (FDP)
will die vom Verfassungsgericht beanstandete, aber nicht in Gänze
verworfene Vorratsdatensp
Peking weiß um die Wirkung des
Friedensnobelpreises. Nicht umsonst hat die chinesische Regierung
versucht, diese öffentliche Ohrfeige zu verhindern.
Wie empfindlich China auf Kritik im Ausland reagiert, haben erst
im vergangenen Jahr die Organisatoren der Buchmesse erfahren. Sie
haben sich den massiven Drohungen der Chinesen zunächst gebeugt, und
regimekritische Autoren ausgeladen, ehe sie sich aufgrund des
Zensurvorwurfs in der deutschen Öffentlichkeit eines besse
"Hass zerfrisst die Weisheit und das Gewissen eines
Menschen. Eine Geisteshaltung, die in Feindschaft wurzelt, kann eine
Nation vergiften, zum brutalen Kampf auf Leben und Tod führen, die
Toleranz und Menschlichkeit einer Gesellschaft zerstören und den Weg
einer Nation zu Freiheit und Demokratie blockieren." Diese Sätze
stammen nicht von Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela. Es sind
die Worte einer verwandten Seele: Liu Xiaobo. Sie sind Teil seiner
Verteid